
videostills: Arian Andiel
Das MAHNMAHL ist eine texttheatrale, interaktive Inszenierung zum Thema Dekandenz und Gesellschaft. Am Tisch der großen Gaben und der menschlichen Mitbringsel, von Geschlecht zu Geschlecht weitergereicht ... sitzen die Gäste, das Publikum mit den AkteurInnen an einer festlich gedeckten Tafel ... an einem Tisch vereint. Wein wir kredenzt. Es wird monologisiert und dialogisiert. "Schmeckt er süß, der Wein?" Ein zelebrierter Trinkspruch unterbricht die Monologe und Dialoge und leitet jeweils enen Themenwechsel ein.
Die Haupttexte des MAHNMAHLs sind so aufgebaut, dass sich die Themen Sinnlichkeit, Sitten, Sexualität, Tötung und Frieden immer mehr verflechten. Die Tischgespräche, die durch Bewegungsinserts unterstützt und zusätzlich gegliedert werden, folgen einem strengen Zeremoniell. Diese Bewegungsinserts bestehen aus uns vertrauten, alltäglichen Gesten. Dieses menschliche, gestische Repertoire erscheint durch die Bewegungsinserts abstrahiert, wird aber gerade durch die Abstraktion wieder nachvollziehbar.
Am Ende des Gelages erklingt eine Arie, das Grande Finale, sie fasst in gesungener Form noch einmal ursprüngliche, menschliche Empfindungen und Sehnsüchte zusammen und soll die Gäste in einer hoffnungsvollen Stimmung entlassen.
Einmal hat mich einer gefragt: "Was tun Sie mit Ihrer Freiheit?" Ich schüttelte nur den Kopf, ich wusste ja nicht, wovon er sprach!

Fotos: Julius Popa
... sacre ...! steht für die Auseinandersetzung und für die Frage: "Was hat es mit dem Opferbegriff in einer modernen Gesellschaft auf sich? Was ist Opfer- und Opferung? Was opfern wir, um gesellschaftlich und in unseren persönlichen, intimen Beziehungen bestehen zu können? Welchen Beitrag leistet die moderne Psychologie, indem sie der Opferrolle die Täterrolle gegenüberstellt?" "Sind wir verdammt zum Glück?", um mit dem gleichlautenden Titel des Buches von Pascal Bruckner zu fragen, dessen Untertitel: "Der Fluch der Moderne", ist, oder kreieren wir uns - jede/r für sich einen individuellen Opferbegriff der zwischen Kompromissbereitschaft und der Frage nach Anpassung und persönlichem Freiraum zerrieben wird?"
Ein Stück Autobahn wird zur Einbahn (es gibt nur eine Fahrtrichtung) und uns zum Bühenbild: Es muss alles schnell sein. Kurzatmigkeit, als Preis für Hast und Hektik. Raserei, dann kommt es zum Crash. Verkehrsopfer? Der Tod begegnet uns. Kurze Betroffenheit! Es muss alles schnell sein, leicht verdaulich, verchromt, glänzen. Schneller...! Unter der Oberfläche brodelt es! Was? Bezugsloses Nebeneinander. Fahren. Überrollt werden, selbst überrollen. Bestimmter Lebensrhythmus - geordnete Bahnen. Dazwischen das kurze Aufblitzen einer Sehnsucht ... nach Berührung. Nähe. Störend. Das Leben geht so dahin, bleibt auf der Strecke (im wahrsten Sinn des Wortes). Ist es geopfert? Wem ist es geopfert? Und warum? Rasant geht es weiter.
Wir gingen von den inhaltlichen und musikalischen Motiven von Igor Strawinskys "Le sacre du printemps" (Die Frühlingsweihe) aus. Diese Auseinandersetzung brachte uns zu der Frage nach dem "modernen Opfer", was bedeutet für einen Menschen des 21. Jahrhunderts der Begriff des "Opfers", der "Opferung". In "Le sacre du printemps" geht es im weitesten Sinn um die mythologische Opferung des jungen Mädchens, das symbolisch für den Frühling steht, gleichzeitig aber geopfert wird, um den Winter zu vertreiben.
So gesehen verkörpert diese Opferung das Saturn- bzw. Kronosprinzip und das Janusprinzip. Saturn, Kronos und Janus werden allesamt als "Hüter der Schwelle" begriffen. Jeder Schwellenübertritt (Initiation) erfordert ein Opfer.
Aus diesem ursprünglichen Stoff extrahieren wir die Fragen, die aus unserer heutigen Sicht den Begriff der "Opferung" ergründen sollen.
Die Vorlage sacre ist für uns Impuls gebend geworden. Das Original dient uns aber weder in seiner konkret erzählten Geschichte als Vorlage, noch wollen wir das musikalische Werk Strawinskys aufgreifen. Wir werden uns erlauben, einige musikalische Segmente substanziell aus dem Gesamten heraus zu schälen, um sie in einem neuen Zusammenhang zur Geltung kommen zu lassen.
videostills: Arian Andiel
Als wir begannen an - scure - zu arbeiten, standen wir vor einem Thema, dem man lieber ausweichend begegnet als sich ihm auszuliefern. Wer konfrontiert sich schon gerne mit der Frage: "Was ist das Böse in uns, wie kann es entstehen und woher kommt es?"
Bald waren wir uns aber einig, dass eine mögliche Wurzel des Üblen, Verdrängten, uns Bedrückenden in dem Ausgeliefertsein eines Erziehungssystem begründet ist, das uns verweigert, uns als das anzunehmen, was wir sind:
Einzigartige menschliche Wesen mit vielfältigsten Anlagen, die nicht "funktionieren" wollen, sondern sich entfalten wollen.
"du sollst nicht wissen"
Ich habe dich geschlagen
dir Furcht und Angst ins Gesicht geschrien
du wolltest nicht willenlos werden
ich - schlug - schlug - schlug
deine Seele, dein Herz, deine Haut, dein Fleisch
ich schlug ohne Fäuste
deinen Verstand dämmte ich ein
nur mit dem Wort
dich
du wolltest nicht willenlos sein
"du sollst nicht wissen"

videostills: Arian Andiel
In CRASH INVERT wird die immer aktuelle Geschichte einer Begegnung zwischen Frau & Mann bzw. Mann & Frau erzählt, die voll zeitgemäßem Zwiespalt ist. Wir begegnen einer Mischung aus Ängsten und Klischeevorstellungen, die so oft eine schlichte Begegnung verunmöglichen und uns alleine zurücklassen. Es ist der Versuch dieser beiden Individuen, die Kluft zwischen Autismus und Nähe zu überbrücken und durch synchronen Akt von Zuneigung und Abneigung zu einander zu finden.
... wir gingen des Nächtens im einsamen Schnee, wo wir Spuren hinterließen, während wir froren...
Dauer: ca. 25 Minuten
1 Tänzerin
1 Tänzer

videostills: Arian Andiel
In vivace entstehen - durch eine strenge, formale choreografische Anordnung der einzelnen Bewegungssequenzen und der räumlichen Nutzung - bewegungsarchitektonische Bilder.
Durch die komplexen tänzerischen Strukturen und der räumlichen Konzeption, wandeln sich die Tänzerinnen und der Raum in einem steten Fluss. Die Körper der Tänzerinnen erscheinen gleichsam skulptural und segmentiert, nie aber in einer festgeschriebenen Form erstarrt.
Das spritzige, rhythmische raumergreifende Bewegungsvokabular mutet an, wie das energetisierte Drehen der Derwische, das den Raum in Bewegung geraten lässt.